
Langzeitfolgen nach Immuntherapie
Zuletzt aktualisiert: 29.06.2026 | Autor(in): Dr. Rafaela Kramer
Auch wenn die meisten schweren Nebenwirkungen unter Checkpoint-Hemmern gut behandelbar sind, gibt es manche Nebenwirkungen bzw. deren Folgen, die auch nach Therapieende weiter bestehen oder verzögert auftreten können. Chronisch werden sie genannt, wenn sie länger als 12 Wochen nach Beendigung der Therapie noch vorhanden sind. Der Großteil (85%) dieser chronischen Nebenwirkungen ist nicht umkehrbar (irreversibel).
Bis zu 45% der Erkrankten entwickeln chronische Nebenwirkungen. Mehr als die Hälfte davon haben eine Schilddrüsenunterfunktion. Weiterhin können weiße Flecken an der Haut (Vitiligo), Gelenkentzündungen (Arthritiden) sowie Mundtrockenheit auftreten. Im Folgenden wird darauf genauer eingegangen.
Haut
Im Rahmen der Immuntherapie kann es zu weißen Verfärbungen (Depigmentierungen) an der Haut kommen (auch Vitiligo genannt). Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunreaktion gegen die pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) in der Oberhaut, aus denen das Melanom hervorgeht. Im Falle der Vitiligo richtet sich die Abwehr also nicht oder nicht nur gegen die Melanomzellen, sondern auch gegen die gesunden Zellen, die Melanozyten, die den Melanomzellen ähnliche Merkmale aufweisen. In Studien wurde beobachtet, dass Patienten mit einer Vitiligo oft ein besseres Tumoransprechen auf die Immuntherapie aufweisen.

Hormonhaushalt
Bei immunvermittelten Nebenwirkungen des Hormonhaushaltes – als Folge einer autoimmunen Zerstörung von Drüsenorganen - kann es notwendig sein, die fehlenden Hormone lebenslang zu ersetzen. Das bedeutet konkret, dass z.B. bei einer Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenhormone (in der Regel Levothyroxin) oder bei einer Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse (sog. Hypophyseninsuffizienz) oder der Nebennierenrinde das lebenswichtige Hydrocortison mehrmals täglich in Tablettenform eingenommen werden muss. In sehr seltenen Fällen kann es auch zu einem Diabetes vom Typ 1 kommen, sodass Insulin mehrmals täglich gespritzt und der Blutzucker regelmäßig bestimmt werden muss.
Gelenke
Gelenkentzündungen (sog. Arthritis) äußern sich meist mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen, vor allem in den Morgenstunden (sog. Morgensteifigkeit). Eine Arthritis kann eine medikamentöse Behandlung erfordern, die auch nach Beendigung der Immuntherapie langfristig notwendig sein kann.
Weitere mögliche Folgen
Sehr selten kann es auch zu entzündlichen Nebenwirkungen im Nervensystem (Nervenfasern, Rückenmark, Gehirn) oder an den Augen und daraus folgenden Beeinträchtigungen (wie z.B. Lähmungen, verminderte Sehkraft) kommen. Dies erfordert eine antientzündliche oder immunmodulierende Therapie mit höheren Dosen von Kortison und anderen Medikamenten. Außerdem berichten einige Patienten über eine Mundtrockenheit, die chronisch werden kann.
Zusammenfassend sind Langzeitfolgen einer Immuncheckpoint-Therapie möglich. Der Großteil davon äußert sich mit einem milden Schweregrad, sie können jedoch den Alltag und die Lebensqualität merklich beeinflussen. Eine zeitnahe und intensive Behandlung kann bei vielen dieser Nebenwirkungen von großer Bedeutung sein, sodass eine gute Kenntnis und Information der Behandelnden, der Patientinnen und Patienten und ggf. auch der Angehörigen und Zugehörigen wichtig ist.
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Onkologische Immuntherapien können langfristige Nebenwirkungen verursachen.
Eine Vitiligo ist oft mit einem besseren Therapieansprechen vergesellschaftet.
Störungen im Hormonhaushalt erfordern oft eine lebenslange Hormonersatztherapie.
- REFERENZEN
- [1] Patrinely JR Jr et al. Chronic Immune-Related Adverse Events Following Adjuvant Anti-PD-1 Therapy for High-risk Resected Melanoma. JAMA Oncol. 2021 May 1;7(5):744-748. doi: 10.1001/jamaoncol.2021.0051. Erratum in: JAMA Oncol. 2021 May 1;7(5):785. doi: 10.1001/jamaoncol.2021.1616. PMID: 33764387; PMCID: PMC7995124.
- [2] Johnson DB et al. Immune-checkpoint inhibitors: long-term implications of toxicity. Nat Rev Clin Oncol. 2022 Apr;19(4):254-267. doi: 10.1038/s41571-022-00600-w. Epub 2022 Jan 26. PMID: 35082367; PMCID: PMC8790946.
INTERESSENSKONFLIKTE
Der Autor Dr. Rafaela Kramer hat Interessenskonflikte angegeben.


