
Einschätzung der Prognose beim Aderhautmelanom
Zuletzt aktualisiert: 14.04.2026 | Autor(in): Max Schlaak, Markus Heppt
Genetik des Aderhautmelanoms
Das Erbgut einer Zelle, die sogenannten Gene, sind wie eine Art „Anleitung“ für die Zelle, wie sie z. B. zu wachsen oder sich zu teilen hat. Manchmal können in diesen „Anleitungen“ Fehler entstehen, entweder durch Zufall oder durch äußere Einwirkungen, wie z. B. UV-Licht, was dazu führen kann, dass die Zelle nicht mehr richtig funktioniert. Diese Fehler werden Mutationen genannt. Sie können entweder vererbt werden („Keimbahnmutationen“) oder im Laufe des Lebens zufällig auftreten, d. h. sie werden erworben („somatisch“).
Wenn eine fehlerhafte Zelle beginnt, sich unkontrolliert zu vermehren, entsteht ein Tumor. Eine Tumormutation ist also ein Fehler im Gen, der dazu führt, dass eine Zelle sich zu schnell und unkontrolliert teilt. Im Rahmen der Tumorentstehung kann es auch zu sogenannten chromosomalen Veränderungen kommen, bei denen mehrere Gene gleichzeitig beeinflusst werden. Diese Veränderungen können dazu führen, dass bestimmte Gene überaktiv oder unteraktiv sind, was die Prognose der Erkrankung beeinflussen kann.
Beim Aderhautmelanom gibt es spezifische genetische Veränderungen, die wichtig für die Prognose und das Risiko von Metastasen sind.[11,12] Für eine genetische Analyse wird Tumormaterial gebraucht, das entweder mittels Biopsie aus dem Auge (hier entsprechende Verlinkung auf dem Infoportal oder Weglassen) oder bei der operativen Entfernung des Tumores gewonnen wird.


Risikogruppen
Die Einteilung der Patienten in Risikogruppen basiert sowohl auf der TNM-Klassifikation als auch auf den genetischen Veränderungen des Tumors:

Die Bestimmung der Risikogruppe kann ggf. auch sinnvoll sein, um zu prüfen, ob Sie für eine adjuvante Therapie, z. B. im Rahmen einer klinischen Studie in Frage kommen, um das Rückfallrisiko für PatientInnen mit hohem Risiko zu verringern. Doch was bedeutet „hohes Risiko“ überhaupt für Sie als Betroffene oder Betroffener? Wie sicher sind diese Aussagen – und welche nächsten Schritte ergeben sich daraus?
Ich bin Hochrisikopatient – was bedeutet das für mich?
Diese Frage beschäftigt viele Betroffene – und es ist völlig verständlich, dass Sie sich mehr Orientierung wünschen. Fachleute sprechen dann von sogenannten „HochrisikopatientInnen“, wenn bestimmte Merkmale vorliegen, die statistisch mit einem höheren Risiko für eine Metastasierung – also das Streuen des Tumors in andere Organe – verbunden sind.
Was sind Risikofaktoren?
Die wichtigsten Risikofaktoren lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
- Klinische Merkmale
Dazu gehören unter anderem:- die Größe und Ausbreitung des Tumors,
- seine Lokalisation im Auge,
- bestimmte Gewebeeigenschaften (z. B. ein sogenannter epitheloidzellartiger Zell typ oder das Vorhandensein spezieller Gefäßstrukturen).
Ein Tumor im sogenannten Stadium III (laut TNM-Klassifikation) wird klinisch als Hochrisikotumor eingestuft.
- Genetische Merkmale
Bei einem Aderhautmelanom kann das Erbgut des Tumors untersucht werden. Dabei zeigt sich bei manchen PatientInnen eine sogenannte Monosomie 3 – das bedeutet, dass das Chromosom 3 nur einmal (statt wie üblich zweimal) vorhanden ist. Diese Veränderung wird mit einem erhöhten Risiko für Metastasen in Verbindung gebracht.
Wichtig: Eine Monosomie 3 bedeutet nicht, dass Metastasen sicher auftreten – und ein „normaler“ Chromosomensatz garantiert keine Metastasenfreiheit. Es handelt sich immer um Wahrscheinlichkeiten, nicht um Gewissheiten.
Wie wird das Risiko bestimmt?
Um festzustellen, ob eine genetische Hochrisikosituation vorliegt, muss Tumorgewebe untersucht werden. Das passiert entweder im Rahmen einer Entfernung des Auges oder durch eine gezielte Gewebeentnahme (Biopsie). An spezialisierten Zentren stehen dafür verschiedene Verfahren zur Verfügung. Ob und wann eine solche Untersuchung sinnvoll ist, wird mit Ihnen gemeinsam in einem augenonkologischen Zentrum besprochen.
Warum ist das Wissen um das Risiko wichtig?
Wenn bekannt ist, dass ein erhöhtes Risiko vorliegt, können Sie gemeinsam mit Ihren behandelnden Ärzten und Ärztinnen bestimmte Schritte in die Wege leiten:
Vorteile
- Intensivere Nachsorge: HochrisikopatientIinnen können auf Wunsch engmaschiger auf Metastasenneubildungen untersucht werden – z. B. alle drei Monate –, um mögliche Metastasen frühzeitig zu erkennen.
- Teilnahme an Studien: In spezialisierten Zentren werde klinische Studien angeboten, die neue Behandlungsmöglichkeiten oder unterstützende Maßnahmen untersuchen – speziell für PatientInnen mit hohem Risiko.
- Informierte Entscheidungen: Je besser Sie über Ihre individuelle Situation Bescheid wissen, desto aktiver können Sie in Ihre Behandlung und Nachsorge einbezogen werden.
Nachteil
- Emotionale Belastung: Die Bezeichnung "Hochrisiko" ist noch keine Diagnose – es ist eine Einschätzung, die bei der Wahl der besten Behandlung und Nachsorge hilft. Ihr Ärzteteam wird mit Ihnen gemeinsam besprechen, was das in Ihrem Fall bedeutet – und welche Schritte sinnvoll sind.
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INTERESSENSKONFLIKTE
Der Autor/die Autorin hat keine Interessenskonflikte angegeben.


