Wirkmechanismen

Zuletzt aktualisiert: 08.04.2022 | Autor: Friedegund Meier

Wie wirkt die Immuntherapie mit PD-1 Hemmern?

Normalerweise ist das menschliche Immunsystem mit Abwehr- und Immunzellen (T-Zellen) in der Lage, Krebszellen als unerwünschte Eindringlinge zu erkennen und zu vernichten. Damit diese Reaktionen nicht überschießen und sich gegen gesundes Gewebe richten, gibt es im Immunsystem bestimmte Kontrollstellen (Checkpoints). Diese sorgen dafür, dass das Immunsystem im Gleichgewicht bleibt. [1]

Damit das funktioniert, tauschen bestimmte Eiweiße über die Kontrollstellen Signale aus. Ein solcher Eiweißstoff ist PD-1. Dieser befindet sich, neben zahlreichen anderen Eiweißen, auf der Oberfläche der T-Zellen (Abbildung 1). Krebszellen können diese Kontrollstellen nutzen, um zu verhindern, dass sie vom Immunsystem erkannt werden. Dazu bilden sie auf ihrer Oberfläche vermehrt das Bindungsmolekül PD-L1 aus, welches mit PD-1 der T-Zellen in Wechselwirkung tritt. Dadurch wird die T-Zelle inaktiviert und kann die Krebszellen nicht mehr zerstören – das Immunsystem wird gebremst. [2]

Checkpoint-Inhibitoren: Das Immunsystem wieder aktivieren Bestimmte Wirkstoffe können diese Bremse wieder lösen. Diese Medikamente heißen Immuncheckpoint-Hemmer. PD-1-Hemmer sind Immuncheckpoint-Hemmer. PD-1-Hemmer blockieren die Wechselwirkung zwischen PD-1 auf der T-Zelle und PD-L1 auf der Krebszelle, welche zur Unterdrückung des Immunsystems führt. Hierdurch wird die T-Zelle wieder aktiviert und kann die Krebszellen zerstören (Abbildung 1). [2]

Wie wirkt die zielgerichtete Therapien mit BRAF-/MEK Hemmern?

Was ist eine BRAF-Mutation?

Bei etwa der Hälfte der Melanome (ca. 50 %) spielt eine Mutation des BRAF-Gens (oder des BRAF-Proteins) eine wichtige Rolle für das Tumorwachstum [2] Das BRAF-Protein und das nachgeschaltete MEK-Protein sind Mitglieder einer Signalübertragungskette in der Zelle. Eine BRAFV600-Mutation in den Krebszellen führt zu einer ständigen Aktivierung dieser Signalübertragungskette und somit zu einem unkontrollierten Wachstum der Krebszellen. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass Medikamente entwickelt werden konnten, die gezielt die BRAF- und MEK-Proteine in der Signalübertragungskette ausschalten (Abbildung 2). Diese Art der Behandlung , die den Tumor gezielt angreift, wird auch als zielgerichtete Therapie bezeichnet. Den Tumor direkt angreifen: Kombinationstherapie bei BRAF-Mutation

Mit einer zielgerichteten Melanomtherapie mit BRAF-/MEK Hemmern kann neben dem veränderten BRAF-Protein zusätzlich das MEK-Protein ausgeschaltet werden. Somit lassen sich zwei wichtige Schaltstellen des Signalweges beeinflussen. Eine zielgerichtete Kombinationstherapie, die das BRAF-Protein und das MEK-Protein blockiert, kann also die ständig aktivierte Signalübertragung in den Krebszellen und somit das unkontrollierte Krebszellwachstum an zwei Stellen stoppen.[3]

Abbildung 1: Medikamente zur Immuntherapie (Immun-Checkpoint-Hemmer wie z.B. PD1-Hemmer): Wiederaktivierung von T-Zellen (Abwehrzellen), die die Krebszellen zerstören (Quelle: NVKH Entscheidungshilfe)

*Bei Vorliegen einer BRAFV600-Mutation. Abbildung 2: Medikamente zur zielgerichteten Therapie (z.B. BRAF- und MEK-Hemmer): Stoppen das unkontrollierte Wachstum der Krebszellen (Quelle: NVKH Entscheidungshilfe)

Wirkmechanismen adjuvanter Therapien in aller Kürze: Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Medikamenten, die zur unterstützenden Behandlung nach vollständiger operativer Entfernung des Tumors bzw. der Metastasen eingesetzt werden können: die Immuntherapie mit PD-1-Hemmern und die zielgerichtete Therapie mit BRAF-/MEK Hemmern.
PD-1 Hemmer aktivieren das Abwehrsystem wieder.
Die zielgerichtete Therapie mit BRAF-/MEK Hemmern stoppt das unkontrollierte Wachstum der Krebszellen.
REFERENZEN
  • [1] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms. Die S3-Leitlinie wurde überarbeitet und um das neue Kapitel „Adjuvante Therapie“ ergänzt.
  • [2] Pardoll DM. The blockade of immune checkpoints in cancer immunotherapy. Nat Rev Cancer. 2012;12:252–264
  • [3] Griffin M et al. BRAF inhibitors: resistance and the promise of combination treatments for melanoma. Oncotarget. 2017;8(44):78174–78192

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