Systemtherapie des Plattenepithelkarzinoms

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2021 | Autor: Prof. Dr. Ulrike Leiter

Für fortgeschrittene Plattenepithelkarzinome (lokoregionäre bzw. metastasierte Tumoren), die durch Lokaltherapie wie Operation oder Bestrahlung nicht mehr behandelbar sind, ist seit 2019 die Immuntherapie mit dem PD-1-Antikörper Cemiplimab zugelassen. Sie wird in Form von Infusionen im Abstand von 3 Wochen über mehrere Monate verabreicht. Mit dieser Substanz wird eine lange Ansprechdauer erreicht (Median[1] > 12 Monate) bei einer Ansprechrate von 44-50%. Das bedeutet, dass bei 44-50% ein teilweiser oder kompletter Rückgang des Tumors beobachtet wird. Ähnliche Ansprechraten zeigen Studien mit dem PD-1-Antikörper Pembrolizumab bei fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen.

In aktuellen Studien wird der adjuvante[2] Einsatz von PD-1-Inhibitoren[3] bei PatientInnen mit Plattenepithelkarzinomen mit einem hohen Risiko für ein Wiederauftreten oder Fortschreiten der Erkrankung im Vergleich zu Placebo (= Scheinmedikament, ohne aktiven Wirkstoff) untersucht. Das bedeutet, dass im ersten Schritt das Plattenepithelkarzinom vollständig operativ entfernt wird. Im zweiten Schritt erhalten PatientInnen einen PD-1-Inhibitor als Unterstützung, um das Risiko eines Rezidivs (= Wiederauftreten) zu senken. Auch Studien zum neoadjuvanten Ansatz werden weltweit durchgeführt. Hierunter versteht man, dass der PD-1-Inhibitor bereits vor der geplanten Operation verabreicht wird, um den Tumor gezielt durch die Behandlung kleiner zu machen oder die Immunabwehr gegen den Tumor effektiver hervorzurufen.

Die Kombination von Avelumab (PD-L1 Inhibitor) und dem EGFR[4]-Inhibitor Cetuximab wird derzeit in einer Studie bei inoperablen fortgeschrittenen Tumoren untersucht.

Vor der Zulassung von Cemiplimab wurden verschiedene Chemotherapien und EGFR-gerichtete Antikörper alleine oder in Kombination eingesetzt. Daten aus Studien zu den medikamentösen Systemtherapien sind in der u.g. Tabelle zusammengefasst. Für PatientInnen, die für eine Therapie mit Checkpointinhibitoren[5] nicht oder nur sehr eingeschränkt in Frage kommen (z.B. Organtransplantierte), werden diese Schemata empfohlen. Für diese PatientInnen gibt es wenig neue therapeutische Entwicklungen.

[1] Median: Mittel- oder Zentralwert eines Datensatzes
[2] Adjuvant: ergänzende oder unterstützende Behandlungsmaßnahmen
[3] Inhibitor: (Hemm-)Stoff, der Reaktionen verlangsamt oder verhindert
[4] EGFR: Abkürzung von englisch Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR), ein Protein mit Signalwirkung in der Zelle
[5] Immuncheckpointinhibitoren

Tabelle 1: Systemtherapie-Daten aus prospektiven klinischen Studien*Cisplatin, Carboplatin, Paclitaxel, Doxorubicin, 5-Fluorouracil
TherapieLinieStudienphaseAnsprechratenAnsprechdauer
(Median Monate)
PD1-InhibitorenJede lokal fortgeschrittene bzw. metastasierte Tumoren234-50%Nicht erreicht
EGFR-Inhibitoren1., 2. Lokal fortgeschrittene und metastasierte Tumoren1-228-45%6-8
Chemotherapie*214-84%8,6-12

*Cisplatin, Carboplatin, Paclitaxel, Doxorubicin, 5-Fluorouracil

Für die Systemtherapie ist der PD-1-Antikörper Cemiplimab zugelassen, der ein langes Ansprechen zeigt. Dieser sollte als erste Therapiewahl angeboten werden.
Bei Fortschreiten (= Progress) unter PD‐1‐Antikörper oder bei Gegenanzeigen stehen verschiedene Chemotherapien und EGFR-gerichtete Antikörper alleine oder in Kombination zur Verfügung.
Klinische Studien zur adjuvanten bzw. neoadjuvanten Therapie werden aktuell durchgeführt.
REFERENZEN
  • Leiter U et. Al. (2020) S3 guideline for actinic keratosis and cutaneous squamous cell carcinoma (cSCC) - short version, part 2: epidemiology, surgical and systemic treatment of cSCC, follow-up, prevention and occupational disease. J Dtsch Dermatol Ges
  • Migden MR et. Al (2018) PD-1 Blockade with Cemiplimab in Advanced Cutaneous Squamous-Cell Carcinoma. N Engl J Med 379:341-351
  • Hillen U et al. (2018) Advanced cutaneous squamous cell carcinoma: A retrospective analysis of patient profiles and treatment patterns-Results of a non-interventional study of the DeCOG. Eur J Cancer 96:34-43

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