Medikamentöse Therapie vor der Operation: Die neo-adjuvante Therapie

Zuletzt aktualisiert: 12.01.2022 | Autor: Friedegund Meier

Bitte beachten Sie, dass die neoadjuvante Therapie ist zurzeit noch nicht zugelassen und aktuell in klinischen Studien erprobt wird.

Einführung und Stand der Forschung

Die neoadjuvante Therapie ist eine medikamentöse Therapie von vorhandenen Metastasen, die vor der operativen Entfernungstattfindet. Mögliche Vorteile einer neoadjuvanten Therapie von Metastasen sind u.a.

  1. die Verkleinerung des Tumors vor der operativen Therapie und
  2. die Auslösung einer stärkeren Immunreaktion im Vergleich zu einer medikamentösen adjuvanten Therapie nach operativer Entfernung des Tumors.

Außerdem könnte der feingewebliche (histologische) Befund des untersuchten operativ entfernten Tumors bei der Entscheidung helfen, ob nach der Operation eine adjuvante Behandlung angeschlossen werden sollte. Der feingewebliche Befund kann auch bei der Einschätzung des Krankheitsverlaufes und Planung der weiteren Nachsorge helfen. Aktuell wird die Wirksamkeit und Sicherheit neoadjuvanter Therapien für Patienten mit metastasiertem Melanom in klinischen Studien untersucht.

  • Stand der Forschung

    Kürzlich wurde auf der Jahrestagung der ASCO (American Society of Clinical Oncology) 2020 die sogenannte PRADO-Studie vorgestellt (1). An dieser Studie nahmen Patienten mit metastasiertem Melanom im Stadium III (ohne Fernmetastasen) teil. Sie erhielten eine Immuntherapie mit zwei Infusionen Ipilimumab niedrig dosiert (1mg/kg Körpergewicht) in Kombination mit Nivolumab hoch dosiert (3mg/kg Körpergewicht).

    6 Wochen nach Therapiestart wurde der Indexlymphknoten (der größte Lymphknoten) operativ entfernt. Wenn die feingewebliche Untersuchung des operativ entfernten Lymphknotens bis zu 10% Tumorzellen zeigte, wurden die umliegenden Lymphknoten nicht zusätzlich entfernt und der Patient erhielt nach der Operation keine adjuvante Therapie. Zeigte die feingeweblicheUntersuchung des Lymphknotens zwischen11% und 50% Tumorzellen, erhielt der Patient eine operative Entfernung der umliegenden Lymphknoten, jedoch keine adjuvante Therapie im Anschluss. Bei über 50% Tumorzellen erhielt der Patient eine operative Entfernung der umliegenden Lymphknoten sowie eine adjuvante Therapie im Anschluss.

    Mehr als 70% der Patienten zeigten nach zweimaliger Infusion mit Ipilimumab plus Nivolumab eine komplette oder nahezu komplette Rückbildung des Tumors. In einer vorhergehenden Studie (OpACIN-neo, 2) wurde beobachtet, dass über 90% der Patienten, die im Lymphknoten ein Therapieansprechen gezeigt hatten, nach 2 Jahren Beobachtung immer noch rückfallfrei, d.h. tumorfrei waren.

    Die Verträglichkeit von Ipilimumab (1mg/kg) niedrig dosiert in Kombination mit Nivolumab (3mg/kg) hoch dosiert scheint deutlich besser zu sein als die Verträglichkeit der bisher zugelassenen Kombination von Ipilimumab hoch dosiert (3mg/kg) in Kombination mit Nivolumab niedrig dosiert (1mg/kg).

    Der weitere Verlauf der PRADO-Studie bleibt abzuwarten. Bisher ist die neoadjuvante Therapie mit Nivolumab plus Ipilimumab für Patienten mit metastasiertem Melanom nicht zugelassen.

Ein wesentliches Ziel der neoadjuvanten Therapie ist die Verkleinerung des Tumors bzw. der Metastasen vor der operativen Therapie.
Bisher ist die neoadjuvante Therapie mit Nivolumab plus Ipilimumab für Patienten mit metastasiertem Melanom nicht zugelassen.
REFERENZEN
  • [1] C. U. Blank, ‘First safety and efficacy results of PRADO: A phase II study of personalized response-driven surgery and adjuvant therapy after neoadjuvant ipilimumab (IPI) and nivolumab (NIVO) in resectable stage III melanoma., J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr 10002).
  • [2] E. A. Rozeman et al., ‘Identification of the optimal combination dosing schedule of neoadjuvant ipilimumab plus nivolumab in macroscopic stage III melanoma (OpACIN-neo): a multicentre, phase 2, randomised, controlled trial’, Lancet Oncol., vol. 20, no. 7, pp. 948–960, Jul. 2019.

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