
Medikamentöse Therapie des metastasierten Melanoms, Stadium IV
Zuletzt aktualisiert: 14.03.2024 | Autor: Prof. Dr. med. Friedegund Meier, Dr. med. Svea Hüning
Einführung
Absiedlungen von Melanomzellen (= Metastasen) in ferne Körperregionen und Organe wie Leber, Lunge oder Gehirn nennt man Fernmetastasen. Das bei Fernmetastasen vorliegende Krankheitsstadium wird als Stadium IV bezeichnet. Beim Auftreten solcher Fernmetastasen ist der Krankheitsverlauf deutlich ungünstiger als bei melanomerkrankten Personen ohne Metastasen.
Bis vor einem Jahrzehnt verstarben Menschen mit Fernmetastasen in der Regel innerhalb eines Jahres. Durch neue und bessere Behandlungsmöglichkeiten erreicht inzwischen mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten ein Langzeitüberleben.
In den folgenden Kapiteln sollen die bei Fernmetastasen häufig verwendeten Systemtherapien (auf den ganzen Körper wirkend) besprochen werden. Es wird grundsätzlich zwischen drei Behandlungsmöglichkeiten unterschieden:
- Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern: (syn. Immun-Checkpoint-Inhibitoren) Checkpoint-Hemmer lösen die Bremsen des Immunsystems, d.h. sie aktivieren Abwehrzellen (= T-Zellen) des körpereigenen Immunsystems, die die Krebszellen zerstören.
- Signalweg-Hemmer (zielgerichtete Therapie): Signalweg-Hemmer blockieren Signalübertragungswege, die das Überleben und das Wachstum von Krebszellen fördern. Ziel der Krebstherapie ist es, durch die Hemmung dieser Signalwege das Überleben und das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen zu hemmen.
- Chemotherapie: Chemotherapien sollen die Zellteilung verhindern. Da sich Krebszellen in der Regel schnell teilen, wirken Chemotherapien insbesondere auf diese Zellen. Es handelt sich jedoch um eine ungerichtete Therapie. Das bedeutet, dass sie nicht ausschließlich auf Krebszellen gerichtet ist, sondern auch andere sich schnell teilende gesunde Zellen angegriffen werden.
Welche Therapie in Ihrem individuellen Fall am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von dem Mutationsstatus und den Vorerkrankungen. Der Mutationsstatus wird anhand von entnommenem Gewebe bestimmt, entweder von dem ursprünglichem Melanom (= Primärtumor) oder einer Metastase. Mutationen sind Veränderungen der Gene. Bei fast 50% der Melanome findet man ein verändertes BRAF-Gen, also eine BRAF-Mutation. Bei bis zu 25% der Melanome findet man eine NRAS-Mutation. Bei Melanomen in besonderen Körperregionen wie den Schleimhäuten oder den Augen gibt es noch weitere relevante Mutationen (siehe Kapitel Uvea-Melanom und Schleimhautmelanom).
Wenn in den folgenden Texten von einer "mittleren" Überlebenszeit oder einer "durchschnittlichen" Verbesserung des Überlebens gesprochen wird, muss vorab gesagt werden, dass es sich dabei um statistische Werte handelt. Diese Zahlen geben einen allgemeinen Hinweis darauf, wie wirksam ein Medikament bei einer größeren Gruppe von Betroffenen ist. Es lässt keine direkten Rückschlüsse auf Ihr persönliches Therapieansprechen zu.
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Bei der Ausbildung von Fernmetastasen spricht man von einem Krankheitsstadium IV.
Behandlungsoptionen stellen insbesondere die Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern und die zielgerichtete Therapie mit Signalweg-Hemmern dar.
Bei fast 50% der Betroffenen liegt eine BRAF-Mutation vor.
- REFERENZEN
- [1] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenleitlinie – Melanom, Eine Leitlinie zur Untersuchung, Behandlung und Nachsorge des schwarzen Hautkrebses, Stand: Mai 2019Letzter Zugriff: 03.09.2020
- [2] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms, Langversion 3.3, 2020, AWMF Registernummer: 032/024OLLetzter Zugriff: 03.09.2020
INTERESSENSKONFLIKTE
Der Autor/die Autorin hat keine Interessenskonflikte angegeben.