Nebenwirkungen Immuntherapie

Schritt 6 von 12

    Immuntherapien werden in der Regel gut vertragen. Nebenwirkungen entstehen dadurch, dass das Immunsystem aktiviert wird – das ist für die Tumorbekämpfung erwünscht. Neben den Tumorzellen kann es aber auch sein, dass das eigene Immunsystem gesunde Zellen angreift, man redet deshalb von autoimmunen Nebenwirkungen. Diese können – je nach eigener Veranlagung – unterschiedlich sein.

    Wie häufig treten Nebenwirkungen auf?

    In einer großen klinischen Studie wurden Personen mit und ohne Immuntherapie verglichen.

    Die Patienten ohne Immuntherapie erhielten eine Wasser-Infusion (Placebo). Hier kann man deshalb nicht von „Nebenwirkungen“ sprechen. Alle Beschwerden, auch die unter Wasser-Infusion, wurden aufgeschrieben. Diese Beschwerden haben dann andere Ursachen, z.B. durch Begleiterkrankungen.

    Ohne Immuntherapie

    • 41 von 100 Personen (41%) hatten keine Beschwerden
    • 55 von 100 Personen (55%) hatten leichte bis mäßige Beschwerden
    • 4 von 100 Personen (4%) hatten schwere Beschwerden

    Mit Immuntherapie

    • 21 von 100 Personen (21%) hatten keine Nebenwirkungen
    • 63 von 100 Personen (63%) hatten leichte bis mäßige Nebenwirkungen
    • 16 von 100 Personen (16%) hatten schwere, d.h. behandlungsbedürftige Nebenwirkungen

    Die folgende Grafik verdeutlicht Ihnen diese Zahlen:

    Nebenwirkungauftritt


    In der Gruppe mit Immuntherapie hatten 12 Patienten mehr schwere, also behandlungsbedürftige Nebenwirkungen als in der Gruppe mit Placebo. Außerdem gab es 4 Patienten mehr, die leichte bis mäßige Nebenwirkungen hatten. In der unbehandelten (Placebo‑)Gruppe blieben 20 Patienten mehr völlig ohne Beschwerden.

    Was das bedeutet

    Auch bei den Patienten, die die Immuntherapie erhalten haben, lassen sich einige der beobachteten Beschwerden nicht eindeutig der Therapie zuschreiben - sie könnten genauso gut ohne Behandlung auftreten.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Je nach Veranlagung können Nebenwirkungen verschiedene Organe betreffen (z. B. Haut, Darm, Lunge oder Hormondrüsen).

    Häufige Beschwerden (mehr als 10 von 100 Personen)

    • Müdigkeit oder Erschöpfung (Fatigue)
    • Hautausschlag oder Juckreiz
    • Durchfall
    • Gelenkschmerzen
    • Fehlfunktion der Schilddrüse

    Weniger häufige Beschwerden (bis zu 10 von 100 Personen)

    • Übelkeit, Appetitlosigkeit
    • Laborwertveränderungen (z.B. Leberwerte)
    • grippeähnliche Beschwerden (z.B. Schwächegefühl, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen)
    • Trockener Mund
    • Lungenentzündung oder Kurzatmigkeit

    (Liste nicht vollständig)

    Wichtig zu wissen

    Nebenwirkungen sind meist gut behandelbar und bilden sich oft zurück.

    In einigen Fällen können bleibende Schäden auftreten, zum Beispiel:

    • dauerhafte Störung der Hormonproduktion
    • Notwendigkeit einer langfristigen Medikamenteneinnahme

    Einige Nebenwirkungen werden zunächst nicht direkt bemerkt. Sie können zum Beispiel über Blutuntersuchungen erkannt werden.

    Dazu gehören zum Beispiel:

    • Veränderungen der Hormonproduktion (z. B. der Schilddrüse)
    • Entzündungen von Organen wie der Leber (Hepatitis)

    Nebenwirkungen können selten auch verzögert auftreten.

    Bei schweren Nebenwirkungen muss die Behandlung unterbrochen oder beendet werden.

    Sehr selten können Nebenwirkungen lebensbedrohlich sein. Dazu zählen z.B. eine Entzündung des Herzmuskels oder des Nervensystems. Auch Entzündungen hormoneller Organe wie der Hirnanhangsdrüse (Hypophysitis) oder der Bauchspeicheldrüse (autoimmuner Diabetes mellitus) können akut lebensbedrohlich sein. Auch deshalb bekommen Sie einen Notfallpass über die Therapie ausgehändigt.

    Wann sollten Sie sich melden?

    Bitte wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie z. B.:

    • anhaltenden Durchfall haben
    • Atembeschwerden entwickeln
    • sich allgemein stark krank fühlen

    Was bedeutet das für Ihren Alltag?

    Nebenwirkungen können den Alltag beeinflussen.

    Viele Patientinnen und Patienten kommen gut damit zurecht, andere benötigen Unterstützung.

    Es kann hilfreich sein, sich frühzeitig Unterstützung durch Familie, Freunde oder Beratungsangebote zu organisieren.

    Wenn Sie Interesse an einem Erfahrungsbericht eines Patienten haben, können Sie sich folgendes Video ansehen.

    Wie geht es weiter?

    Auf den nächsten Seiten erfahren Sie mehr über Ihre zweite Behandlungsmöglichkeit, die zielgerichtete Therapie.

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